Hilfe für Griechenland
Griechenland - eine Herkulesaufgabe
Es gäbe gute Gründe für die Gemeinschaft, Griechenland noch einmal aus der Patsche zu helfen: das Einstehen füreinander in der Not zum Beispiel, dem unsere genossenschaftlichen Gründungsväter ein Motto gegeben haben, welches noch heute gelebt wird: „Einer für alle, alle für einen.“ Ein weiteres Argument ist das Zusammenhalten Europas, welches am Ende dieses Jahrhunderts nur noch fünf Prozent der Weltbevölkerung beherbergen wird. Und schließlich hat uns die jahrzehntelange europäische Integrationspolitik mehr als 60 Jahre Frieden gebracht.
Es gibt ebenso triftige Gründe, weitere Rettungspakete für Griechenland zu verweigern. Die Vertrauensfrage hat Ministerpräsident Papandreou für sich entschieden, doch wenn die Konservativen im Lande die Medizin für gefährlicher halten als die Krankheit, zeugt dies von einer illusorischen Sicht der Griechen auf die Wirklichkeit.
Die griechische Politik steht vor einer Herkulesaufgabe, an der das europäische Währungsgefüge zerbrechen könnte, weil die ranghöchsten Politiker die Lage ihres Landes verkennen: keine Einsicht, kein politischer Konsens, kein Vertrauen. Laut Transparency International rangiert Griechenland mit einem Korruptionsindex von 3,8 auf Platz 71 der Länderliste – hinter Saudi-Arabien oder Tunesien! Zum Vergleich: Deutschland belegt in diesem Ranking mit einem Index von 8,0 Rang 14 der Länderliste, die von Neuseeland (9,4) und Dänemark (9,3) angeführt wird.
Unabhängig davon hat unser nachhaltiges Research die politische Schieflage Griechenlands schon als Gefahr erkannt noch ehe sie ins öffentliche Bewusstsein gedrungen ist. Nach den USA (Finanzkrise) hat sich unser Ethik-Research erneut als Frühwarnsystem bewährt. Griechenland steht auf der Negativliste der EthikBank®, weil es im Nachhaltigkeitsrating für OECD-Staaten unter dem Durchschnitt liegt. Besonders schlecht sind darin die sozialen Faktoren bewertet. Die hohe Jugendarbeitslosigkeit und die geringe Unterstützung der Arbeitslosen führen zu einer der tiefsten Bewertungen des Lebensstands im Vergleich mit den anderen OECD-Ländern. Auch in der Umweltpolitik liegt Griechenland deutlich unter dem Mittelwert. Hier führen niedrige Umweltabgaben (6,7 Prozent der Steuern) zu einer negativen Bewertung.
Nach allem Für und Wider, nach allem Abwägen wird jeder vernünftige Mensch zu der Einsicht gelangen, dass es unklug wäre, einem Land weitere Milliarden anzuvertrauen, welches die Notwendigkeit des Wandels nicht zu erkennen vermag. Kredit heißt Vertrauen und stammt vom lateinischen Wort „credere“, welches im Deutschen „glauben“ bedeutet. Es würde daher allen Beteiligten helfen, der Realität ins Auge zu blicken und besonnen die richtigen Schlüsse zu ziehen.
Nebenbei: Es ist ja nicht so, dass der vernünftige Mensch den soliden Umgang mit Geld von der Pieke auf lernen müsste; die meisten haben ihre privaten Finanzen hervorragend im Griff. Es ist wohl eher die verhängnisvolle Neigung, dass uns das Geld anderer lockerer in der Tasche sitzt als der eigene Spargroschen. Das ist keine Athener oder Brüsseler Besonderheit. Dieses Phänomen ist überall dort zu beobachten, wo Menschen über Steuergelder verfügen.

