Das energieautarke Haus

Energieautarkes Haus, Freiberg (Sachsen)

Man soll in seinem Leben ein Haus bauen, einen Baum pflanzen und einen Sohn zeugen – passt der vielzitierte Spruch auf Timo Leukefeld? Nun, als Junge hat er mehr als 1000 Bäume eigenhändig gepflanzt. Sohn Leonardo ist inzwischen fünf Jahre alt. Jetzt kommt das Haus.

„Wir wünschen uns einen Garten, die Kinder Haustiere“, nennt er die eine Seite der Entscheidung, selbst in das energieautarke Haus einzuziehen. Die andere: „Als Erfinder ist man natürlich auch neugierig, ob alles funktioniert wie geplant. Ich kann die eigene Forschung im eigenen Haus fortsetzen. Ich kürze die Lernkurve ab!“, sagt er beschwingt.

Dass man in Freiberg gleich zwei energieautarke Häuser nebeneinander – das andere baut Stephan Riedel, führender Photovoltaikexperte aus Dresden – in Funktion erleben kann, findet Leukefeld ein „super Signal“ für das Konzept.

Stellen Sie sich das Haus vor wie ein ganz normales, modernes Einfamilienhaus. 162 Quadratmeter Wohnfläche, ökologische Baustoffe, gut gedämmt, dreifach verglaste Fenster. Unterm Carport ein Elektroauto, das gerade auflädt. Und jetzt stellen Sie sich das Ganze ohne Stromanschluss vor. Ohne Erdgasleitung, Öl- oder Gastank im Garten.

Das südliche Dach ohne Ziegel, dafür mit Sonnenkollektoren und Photovoltaik-Modulen bestückt. Ein leistungsfähiger Akku speichert die erzeugte Solarenergie für die Stromversorgung, ein Langzeitwärmespeicher im Kern des Hauses die gewonnene Energie in Form von Warmwasser, und das über Wochen und sogar Monate. Nur in den Wintermonaten werden die Bewohner zusätzlich ein paar Scheite Buchenholz in den Kamin legen müssen. Mit zwei bis drei Festmetern Holz, so die Berechnungen, kommt die vierköpfige Familie in mollig warmen Räumen übers Jahr.

Das Haus erfüllt den Standard eines KfW-Effizienzhauses 55, braucht aber nur ein Achtel von dessen Energie (Jahresprimärenergiebedarf: 5 kWh/m2, KfW 55: 40 kWh/m2). Um das zu erreichen, ist allerdings ein ausgeklügeltes energetisches Konzept nötig. Denn mit dem normalen Stromverbrauch einer vierköpfigen Familie – 4.000 bis 5.000 Kilowattstunden pro Jahr – ist eine autarke Eigenversorgung noch nahezu unmöglich.Ein großer Teil wird allein dadurch eingespart, dass kein Strom in Heizwärme umgewandelt wird: Geschirrspüler und Waschmaschine nutzen das warme Wasser der Solarthermieanlage, Wärme zum Heizen wird aus Solarthermie und Stückholz erzeugt statt mit der Elektrowärmepumpe. Unterm Strich bleibt ein Jahresstrombedarf von weniger als 1.500 Kilowattstunden. Das schafft die Solarstromanlage auf dem Haus locker. Mehr noch: Die meiste Zeit ist genug Strom übrig, um ein Elektroauto oder einen E-Roller ‚aufzutanken‘.

Von der Idee zum fertigen energieautarken Haus hat es rund zweieinhalb Jahre gedauert – ohne Fördermittel, wohlgemerkt. Das Haus in Lehrte ist seit Mai 2011 im dortigen Musterhauspark zu besichtigen. „Wir wollen mit diesem Haus ein Zeichen setzen. Die Botschaft heißt: Energieautarkie ist möglich“, sagt Timo Leukefeld. „Die einzelnen Produkte gibt es alle schon am Markt. Es kommt darauf an, sie intelligent zu verknüpfen.“

Das energieautarke Haus von HELMA gilt als das erste Haus, das sich energetisch vollkommen selbst versorgt – und bezahlbar ist. Bisherige Modellprojekte lagen meist über der Millionengrenze oder knapp darunter. Hier reden wir von 398.000 Euro (ohne Grundstück). Die Kosten des Energiekonzepts machen davon weniger als 100.000 Euro aus und werden sich nach heutigen Schätzungen in 15 bis 17 Jahren amortisiert haben. Wer sich für Energieautarkie interessiert, für den stehen diese Zahlen aber nicht im Vordergrund, erlebt Timo Leukefeld bei Vorträgen immer wieder. „Man verliebt sich in die Idee. Es geht hier in erster Linie um Unabhängigkeit von den Energiekonzernen und um Versorgungssicherheit. Wenn sich das Ganze außerdem in absehbarer Zukunft amortisiert – umso besser.“

Apropos Zukunft: Warum nicht noch ein Stück weiter denken – bis zur Rente? Das energieautarke Haus ist auch eine Form der Altersvorsorge, findet Timo Leukefeld, eine, die die alten Prämissen umdreht: Im Fokus stehen nicht die Einnahmen, die ich heute erziele und fürs Alter sparen kann, und die ich im Alter für die dann höheren Miet-, Heizkosten-, Strom- und Spritpreise ausgeben muss. Sondern die Möglichkeit, in ein Hauskonzept zu investieren, das die Ausgaben für Miete, Heizkosten, Strom und Mobilität im Alter gänzlich vermeiden bzw. massiv senken hilft. „Ein Paradigmenwechsel“, schwärmt Timo Leukefeld, „eine ganz andere Vision von Altersvorsorge.“

Solche „technosophischen Überlegungen“, wie er die Vernetzung von technologischen und philosophischen Gedanken selbst nennt, bringt er auch vor, wenn er von Politik und Wirtschaft als Berater gerufen wird. Ein streitbarer Mann, der noch viel bewegen will. Der wohl nie wieder so zur Bewegungslosigkeit verdammt sein will wie an jenem 9. November 1989, dem Tag des Mauerfalls, als er nach einer Wirbelsäulenoperation ans Bett gefesselt im Krankenhaus lag… In Eisenberg übrigens, just jener Thüringer Kleinstadt, in der vor zehn Jahren die EthikBank gegründet wurde.

Wenn ich der Bauherr bin - 4 Fragen an Timo Leukefeld

Vor allem die sogenannte Verschattungsfreiheit. Das Haus muss auf dem Grundstück nach Süden ausgerichtet sein, in der Richtung sollten also weder hohe Bäume noch große Gebäude zu nah am Bauort stehen.

In einem Wohngebiet mit Bebauungsplan sollten Sie sich vorher erkundigen, welche Dachneigung der Plan zulässt. In unserem Fall war es zum Beispiel so, dass in dem Wohngebiet die Häuser in der ersten Reihe nur bis zu 30 Grad  Dachneigung haben durften. In zweiter Reihe waren die 45 Grad, die beim energieautarken Haus ideal sind, erlaubt.

Die Aufteilung der Räume im Innern können Sie nach Ihren Wünschen gestalten oder auch die Farbgebung außen. Die Hülle des Hauses und die Größe sind derzeit Standard, darauf basiert auch der Festpreis. Eigenleistungen sind – außer bei der Solartechnik – beim Innenausbau praktisch überall möglich.

Zu 100 Prozent geht das nur, wenn Südausrichtung und Dachneigung ideal sind. Ansonsten ist aber zumindest eine teilweise Autarkie erreichbar. Ich bin sogar überzeugt, dass die Massenanwendung des Konzepts in der Teilautarkie im Altbau liegen wird. Auf diesem Gebiet will ich in den nächsten Jahren auch forschen.

Superschnell und professionell, so lief das. Ich war eigentlich in Verhandlung mit einer konventionellen Bank, als ich erfuhr, dass die EthikBank, bei der ich ja schon seit Jahren Privat- und Geschäftskunde bin, auch Baufinanzierungen anbietet. Dann habe ich da angefragt, meine Unterlagen eingereicht und schnell die mündliche Zusage erhalten. Jetzt bin ich froh, dass eine Bank mit ethischen Ansprüchen mein Vorhaben finanziert und nicht eine, bei der ich nicht mal ansatzweise weiß, mit welcher Art von Geschäften das Geld verdient wurde.

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