Steuererklärung machen: Warum sie sich für viele lohnt

Emely Lea Stehr Emely Lea Stehr
Hand aufs Herz - wie oft hast du schon gedacht: „Die Steuererklärung mache ich später“? Zwischen Beruf, Familie, Haushalt und Freizeit landet sie bei vielen Menschen ganz unten auf der To-do-Liste.
Verständlich, denn Steuerrecht und Formulare gehören nicht gerade zu den beliebtesten Beschäftigungen. Oft hält sich außerdem hartnäckig der Gedanke, dass sich der Aufwand am Ende sowieso nicht lohnt. Genau hier liegt der Irrtum.

Denn viele Arbeitnehmer:innen bekommen mit ihrer Steuererklärung Geld vom Finanzamt zurück. Manchmal sind es einige hundert Euro, manchmal sogar deutlich mehr. Wer berufliche Ausgaben hatte, im Homeoffice gearbeitet, eine Weiterbildung besucht oder gespendet hat, sollte deshalb genauer hinschauen.
Die gute Nachricht: Viele der benötigten Unterlagen liegen heute ohnehin bereits digital vor und lassen sich mit vergleichsweise wenig Aufwand zusammentragen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Eine Steuererklärung kann dazu führen, dass du zu viel gezahlte Steuern zurückerhältst.
  • Auch wenn keine Pflicht zur Abgabe besteht, lohnt sich die Steuererklärung für viele Arbeitnehmer:innen.
  • Häufig können Fahrtkosten, Weiterbildungen, Bewerbungskosten, Homeoffice-Kosten oder Spenden steuerlich berücksichtigt werden.
  • Wer freiwillig eine Steuererklärung abgibt, hat dafür in der Regel vier Jahre Zeit.
  • Wichtige Steuerunterlagen der EthikBank stehen im Onlinebanking und im digitalen Postfach bereit.
  • Freistellungsauftrag und Nichtveranlagungsbescheinigung können helfen, Kapitalerträge steuerlich optimal zu behandeln.

Warum lohnt sich eine Steuererklärung überhaupt?

Stift liegt auf Steuererklärung - Nahaufnahme

Viele Menschen fragen sich, warum sie zusätzliche Zeit investieren sollten, wenn die Lohnsteuer doch bereits automatisch vom Gehalt abgezogen wird. Der Grund ist einfach: Das Finanzamt kennt zwar dein Einkommen, aber nicht automatisch alle Ausgaben, die deine persönliche Steuerlast reduzieren können.

Vielleicht bist du regelmäßig zur Arbeit gefahren. Vielleicht hast du Fachliteratur gekauft, an einer Fortbildung teilgenommen oder von zu Hause gearbeitet. All diese Ausgaben können dazu beitragen, dass du weniger Steuern zahlen musst als ursprünglich angenommen.

Mit der Steuererklärung gibst du dem Finanzamt die Informationen, die bisher fehlen. Erst dadurch kann berechnet werden, ob du zu viel Steuern gezahlt hast und Anspruch auf eine Erstattung hast.

Deshalb ist die Steuererklärung für viele Menschen keine lästige Pflicht, sondern eine echte Chance, Geld zurückzubekommen.

Muss jede:r eine Steuererklärung abgeben?

Nein.

Tatsächlich gibt es viele Menschen, für die die Steuererklärung freiwillig ist. Eine Verpflichtung besteht beispielsweise häufig dann, wenn

  • mehrere Arbeitgeber gleichzeitig beschäftigt haben,
  • bestimmte Lohnersatzleistungen wie Elterngeld bezogen wurden,
  • zusätzliche Einkünfte erzielt wurden oder
  • bestimmte Steuerklassenkombinationen genutzt werden.

Wer nicht verpflichtet ist, kann trotzdem freiwillig eine Steuererklärung einreichen. Genau das kann sich besonders lohnen, wenn berufliche Ausgaben angefallen sind oder im Laufe des Jahres zu viele Steuern einbehalten wurden.

Paar blickt auf Notebook

Welche Kosten können häufig steuerlich geltend gemacht werden?

Viele Erstattungen entstehen nicht durch komplizierte Steuersparmodelle, sondern durch ganz alltägliche Ausgaben.

Der Arbeitsweg

Wer zur Arbeit pendelt, kann für die Fahrten die Entfernungspauschale nutzen. Gerade bei längeren Strecken kann hier im Laufe eines Jahres eine beachtliche Summe zusammenkommen.

Fort- und Weiterbildungen

Ob berufliche Seminare, Fachliteratur oder Zertifikatskurse: Kosten für Weiterbildungen können häufig steuerlich berücksichtigt werden. Gerade in Zeiten des lebenslangen Lernens wird dieser Punkt immer wichtiger.

Arbeiten im Homeoffice

Für viele Arbeitnehmer:innen gehört das Arbeiten von zu Hause mittlerweile zum Alltag. Auch dafür können unter bestimmten Voraussetzungen steuerliche Vorteile genutzt werden.

Bewerbungskosten

Bewerbungsfotos, Fahrten zu Vorstellungsgesprächen oder Kosten für Bewerbungsunterlagen: Wer sich beruflich neu orientiert, sollte entsprechende Nachweise aufbewahren.

Spenden

Spenden an gemeinnützige Organisationen können ebenfalls steuerlich relevant sein. Deshalb lohnt es sich, entsprechende Bescheinigungen sorgfältig aufzubewahren.

Paar sitzt am Küchentisch vor dem Laptop

Gut vorbereitet spart Zeit

Eine Steuererklärung wird deutlich einfacher, wenn die wichtigsten Unterlagen bereits vollständig vorliegen.

Dazu gehören unter anderem:

  • die Lohnsteuerbescheinigung,
  • Nachweise über Werbungskosten,
  • Spendenbescheinigungen,
  • Nachweise über Sonderausgaben,
  • Bescheinigungen über Kapitalerträge,
  • Unterlagen zu außergewöhnlichen Belastungen.

Wer diese Dokumente das Jahr über gesammelt hat, spart sich später viel Sucherei.

UNSER TIPP

Steuerunterlagen bequem im Onlinebanking finden

Gerade bei Kapitalerträgen stellt sich oft die Frage: Wo finde ich eigentlich die notwendigen Steuerunterlagen?

Kund:innen der EthikBank können viele relevante Dokumente direkt im Onlinebanking abrufen. Dazu gehören beispielsweise Jahressteuerbescheinigungen, Informationen zu Kapitalerträgen oder Dokumente rund um den Freistellungsauftrag.

Ein Blick ins digitale Postfach spart häufig Zeit und macht die Vorbereitung der Steuererklärung deutlich einfacher.

Freistellungsauftrag und Nichtveranlagungsbescheinigung einfach erklärt

Wer Kapitalerträge erzielt, begegnet früher oder später diesen beiden Begriffen.

Was ist ein Freistellungsauftrag?

Mit einem Freistellungsauftrag legst du fest, dass Kapitalerträge bis zur Höhe des geltenden Sparerpauschbetrags steuerfrei bleiben sollen. Liegt ein entsprechender Auftrag bei deiner Bank vor, wird auf diese Erträge innerhalb des Freibetrags keine Abgeltungsteuer einbehalten.

Was ist eine Nichtveranlagungsbescheinigung?

Die sogenannte NV-Bescheinigung wird vom Finanzamt ausgestellt. Sie kommt insbesondere für Menschen infrage, deren Einkommen so niedrig ist, dass voraussichtlich keine Einkommensteuer anfällt. Wird die Bescheinigung bei der Bank hinterlegt, können Kapitalerträge ohne Steuerabzug ausgezahlt werden.

Warum viele Menschen die Steuererklärung aufschieben

Oft liegt es gar nicht an der eigentlichen Steuererklärung. Vielmehr schrecken komplizierte Begriffe, vermeintlich fehlendes Wissen oder die Sorge vor Fehlern ab. Gleichzeitig wird der Aufwand häufig überschätzt.

Tatsächlich stehen heute viele Daten bereits digital zur Verfügung. Zahlreiche Informationen werden automatisch übernommen und viele Programme führen Schritt für Schritt durch die einzelnen Bereiche. Der schwierigste Schritt ist deshalb häufig nicht die Steuererklärung selbst, sondern überhaupt damit anzufangen.

Steuererklärung für das Steuerjahr 2026: Welche Fristen gelten 2027?

Wenn du zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet bist und sie selbst erstellst, muss die Steuererklärung für das Steuerjahr 2026 grundsätzlich bis zum 2. August 2027 beim Finanzamt eingereicht werden. Lässt du dich von einer Steuerberaterin, einem Steuerberater oder einem Lohnsteuerhilfeverein unterstützen, verlängert sich die Frist in der Regel bis Ende Februar 2028.

Für freiwillige Steuererklärungen gilt weiterhin deutlich mehr Zeit: Die Steuererklärung für das Jahr 2026 kann grundsätzlich noch bis zum 31. Dezember 2030 eingereicht werden. Wie bei vielen steuerlichen Themen gilt jedoch: Gesetzliche Regelungen und Fristen können sich ändern. Daher empfiehlt es sich, die aktuellen Informationen des Finanzamts oder einer Steuerberatung zu prüfen.

Fazit

Die Steuererklärung ist selten das Highlight des Jahres. Sie kann sich aber finanziell deutlich stärker auszahlen, als viele erwarten.

Wer seine Unterlagen regelmäßig sammelt, spart Zeit bei der Vorbereitung. Und wer die eigenen Ausgaben konsequent berücksichtigt, hat gute Chancen auf eine Rückerstattung.

Vielleicht ist die Steuererklärung also doch weniger Zeitverschwendung als vielmehr eine der wenigen Aufgaben, bei denen sich ein paar Stunden Arbeit direkt im Geldbeutel bemerkbar machen können.

Häufige Fragen zur Steuererklärung

In vielen Fällen ja. Wer berufliche oder private Ausgaben steuerlich geltend machen kann, erhält häufig eine Erstattung.

Freiwillige Steuererklärungen können in der Regel bis zu vier Jahre rückwirkend eingereicht werden.

Typische Beispiele sind Fahrtkosten zur Arbeit, Weiterbildungen, Bewerbungskosten, Homeoffice-Aufwendungen und Spenden.

Wichtige Dokumente wie Steuerbescheinigungen oder Informationen zu Kapitalerträgen findest du im Onlinebanking sowie im digitalen Postfach.